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Romeo und Julia

-Kartoffeltheater-

Ein Kartoffelspaß mit dem großen Klassiker der dramatischen Literatur über die Liebe
unter Verwendung des Textes von Shakespeare in der Übersetzung von August Wilhelm
von Schlegel und um fehlende Stellen ergänzt von Florian Kaiser

Wir spielen aufreibendes Theater, nicht nur für die Kartoffeln, die nun der Erde entrissen nur noch eine Bestimmung haben: die Bühne! Doch nicht alle werden die Tischplatte, die die Welt bedeutet, betreten: Zu viele teilen sich das Schicksal im Dreipfundnetz und warten auf das alles entscheidende Vorsprechen, die Audition, das Casting! Dieses werden wir vor jeder Vorstellung durchführen und den Jugendlichen Liebhaber und die Junge Naive in wechselnder Besetzung zeigen, so wie sie das jeweilige Publikum auswählt. Um uns dann zu fragen: Was ist Liebe? – Neigung? Schicksal? Ist sie nicht das, was wir im Gegenüber sehen? Wer gibt uns mehr Freifläche für Liebe als Kartoffeln? Was sollte tiefgründiger sein als die Liebe zweier Kartoffeln, wenn sie aus dem Erdreich überirdisch zutage tritt? Aber wehe, wenn die Kartoffeln zum Leben erwachen und ihren eigenen Willen entwickeln! Wird der Kartoffeldompteur sie bändigen können? Werden sie sich in sein Spiel fügen? Und was, wenn er sich verliebt? Hat so eine Liebe eine Zukunft?

Das Stück parodiert Shakespeares Klassiker mit Knollen, die um Liebe und Schicksal kämpfen, inklusive Live-Casting.

Komödie. Für Erwachsene.
Spieldauer: ca. 2 Stunden inklusive 1 Pause
Autor: William Shakespeare, Florian Kaiser
Regie: Florian Kaiser
Bühnenbild/Kostüm: Florian Kaiser
Es spielt: Florian Kaiser
Motiv: Mehrdad Zaeri
Fotos: [str] fotografie

Kritik:

Dr. Susanne Zeunert, 21.03.2026 zur Premiere im DAI, Heidelberg

„Kartoffeln, große Gefühle und kluge Theaterreflexion – „Romeo und Julia“ als Ein-Mann-Stück im DAI Heidelberg“

„Was zunächst wie ein skurriler Gag klingt, entpuppt sich als überraschend vielschichtiger Theaterabend: In seinem Ein-Mann-Stück „Romeo und Julia als Kartoffeltheater“ bringt Florian Kaiser nicht nur mehrere Kartoffeln, sondern auch eine beeindruckende Fülle an Ideen, literarischen Verweisen und theaterhistorischen Reflexionen auf die Bühne des DAI Heidelberg.

Der Ausgangspunkt ist ebenso absurd wie einleuchtend: „Du kannst nicht erwarten, dass jemand, der unter der Erde aufgewachsen ist, die gleichen Sehgewohnheiten hat wie du.“ Dieser Satz fungiert als programmatische Setzung und als humorvolle Einladung, vertraute Stoffe radikal neu zu sehen. Kaisers Kartoffeln werden zu Figuren, Projektionsflächen und zugleich Kommentatoren eines Spiels, das zwischen Shakespeare, Meta-Theater und Casting-Situation oszilliert.

Im Zentrum steht weniger die tragische Liebesgeschichte selbst als vielmehr ihre Aneignung: Wer darf Romeo und Julia spielen? Was bedeutet Darstellung? Und wie verändert sich ein Klassiker, wenn er durch ein so scheinbar banales Medium wie eine Kartoffel gefiltert wird? Kaiser nutzt diese Fragen, um mit großer Spielfreude und intellektueller Schärfe durch Theatergeschichte und Literatur zu streifen – von klassischen Inszenierungstraditionen bis hin zu postdramatischen Ansätzen.

Dabei lebt der Abend von Kaisers Präsenz. Mit feinem Gespür für Timing und Ironie wechselt er mühelos zwischen Erzähler, Regisseur und Darsteller. Die Kartoffeln, mal minimalistisch eingesetzt, mal bewusst überhöht, entfalten eine eigentümliche Poesie, die das Publikum zum Schmunzeln bringt, ohne je ins Beliebige abzurutschen.

Gerade in der Reduktion liegt die Stärke dieser Inszenierung. Wo große Bühnenbilder fehlen, entsteht Raum für Gedanken. Und wo die Figuren aus Knollen bestehen, gewinnt das Spiel eine unerwartete Menschlichkeit. Das Publikum wird nicht nur unterhalten, sondern auch herausgefordert, eigene Sehgewohnheiten zu hinterfragen.

So erweist sich Kaisers „Kartoffeltheater“ als kluger, humorvoller und zugleich anspruchsvoller Abend,  ein kleines, aber feines Beispiel dafür, wie lebendig und überraschend Theater sein kann, wenn es den Mut zur Einfachheit und zur Idee hat.“

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